New York Spezial (01.11. bis 7.11.05)
Dienstag, 1. November 2005
Nun bin ich wirklich einige Kilometer über dem Meeresspiegel (genau 11.600 Meter bei -63° C und einer Reisegeschwindigkeit von 740 km/h über Boden, wie mir die Anzeige mitteilt). Der Flug neigt sich schon bald dem Ende zu (noch ca. 1.000 km oder 1,5 Stunden). Unter uns die Hudson Bay und eine dichte Wolkendecke. Bisher eine angenehme Reise, ohne Streß und Kopfschmerzen. Lediglich die Anreise zum Flughafen in Hamburg war etwas nervenaufreibend, da jegliche Strecke einen Stau aufwies. Frau N. saß neben mir, so brauchte ich meinen Wagen nicht im Parkhaus abstellen oder mit einem Taxi fahren. Wir klönten und lachten noch, eine angenehme Art, den Trip zu beginnen.
Der Transfer nach Frankfurt verlief problemlos, ebenso das Umsteigen in die Maschine nach Newark. Es ist verrückt, was für Sicherheitskontrollen es bei dem Einchecken für einen Flug in die USA gibt. So gründlich wurde ich in Hamburg bei weitem nicht untersucht.
Im Flugzeug dann musste ich zwei Formulare für die Einreise in die Staaten ausfüllen. Da werden ernsthaft Fragen gestellt, ob man vorbestraft ist oder bereits an einem terroristischen Anschlag mitgewirkt hat oder vormals eine Einreise in die Staaten erschlichen oder verweigert wurde. Wer würde da schon mit "Ja" antworten. Ein bisschen habe ich bei der Frage geschummelt, ob der Hauptgrund meiner Einreise geschäftlicher Natur ist. So würde ich die zwei Tage in Carlstadt (New Jersey) nicht unbedingt nennen. Also nur eine halbe Lüge.
Über Kopfhörer lausche ich gerade schöner Jazzmusik. Es gab bereits einen Film zu sehen: "Cinderella Man" (dt. "Das Comeback"), ein Boxerfilm, nicht überragend, aber recht unterhaltsam. Zum Glück zucken meine Beine kaum. Vorhin ging es mal für fünf Minuten los, doch dann konnte Chauncey Loomis: "Verloren im ewigen Eis. Der rätselhafte Tod des Arktisforschers Charles Francis Hall" mich prima ablenken und fesseln. Kann jetzt gar nicht schauen, ob es über C. F. Hall einen Wikipedia-Eintrag gibt. Aber aus den Literaturangaben habe ich mir ein paar Titel herausgeschrieben, auf deren Suche ich mich eventuell in N.Y. mal begeben werden.
Ich will mich ab Freitag in der Stadt treiben lassen. Habe mir nicht viel vorgenommen, vielleicht am Freitag noch in die MOMA-Ausstellung, denn an dem Tag ist "pay what you want", d.h. sie ist für 1 $ oder nach Wunsch auch mehr zu besichtigen. Ansonsten durch die Straßen schlendern, Buchläden besuchen, Cafes aufsuchen, Leute anschauen und viel fotografieren. Gestern habe ich mir noch ein neues Teleobjektiv gekauft. Eine Investition, die ich mir zur Zeit eigentlich gar nicht erlauben kann. Zudem hat sich der Verkäufer anfangs noch mit dem Preis vertan Aber was soll's. Dafür ist für dieses Jahr Schluss, nun wird nicht teures mehr gekauft Außer dem Auto natürlich. Wenn alles klappt, kann ich ihn Mitte November abholen. Werde mir dann eine Woche Urlaub nehmen. Ein Tag wird bereits für die Abholung benötigt. Frau N. bot sich an, mit mir gemeinsam dorthin zu fahren. Kann schließlich nicht mit zwei Autos gleichzeitig zurückfahren.
Doch zurück zu dieser Reise. Gestern telefonierte ich noch mit einem Kollegen, der die Organisation übernommen hat. Bislang wusste ich nur meine Hoteladresse, mehr nicht. Noch nicht einmal, wie ich vom Flughafen zum Hotel in Lyndhurst kommen soll. Er sagte, dass ich am besten ein Taxi nehme. Das Hotel hat keinen Abholservice und er selbst reist auch erst heute an. Abends werden wir uns dann zu einem gemeinsamen Essen treffen. Und morgen fahren wir nach Carlstadt, um dort zu arbeiten. Mittlerweile blicke ich recht locker auf die zwei Tage. Ich weiß was ich tun muss und ich weiß ebenso, welche Schwierigkeiten auftreten können und wahrscheinlich auch werden. Dementsprechend werde ich versuchen, am ersten Tag ein bisschen auf Zeit zu spielen, um erst am Donnerstag zu den Datenbankproblemen zu kommen. D.h. für mich schön langsam arbeiten, sehr ausführliche Dokumentation erstellen und versuchen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Hauptsache ich habe alles eingepackt, was ich benötige.
Das ist immer meine größte Sorge, dass ich irgendetwas vergessen habe. So auch heute morgen. Mehrmals kontrolliere ich die wichtigsten Unterlagen. Und im Auto dann kommt doch noch die Frage hoch "hast Du auch die Umhängetasche eingepackt?" Das kommt davon, wenn man Dinge ohne Nachdenken macht. Eine der Grundregeln des Buddhismus, dass man alles bewusst machen soll. Und auch möglichst nur eine Sache zur Zeit.
Gestern war ich noch bei der Osteopathie. Und wieder bin ich kurzzeitig eingenickt. Das ist so entspannend. Zuhause habe ich mich dazu durchgerungen, erneut eine Mail an G. zu schreiben. Aber ohne die Frage, ob wir uns mal wieder treffen wollen. Einfach nur, um zu wissen, wie es ihr geht, ob sie mit ihrem Examen fertig ist. Und ich merke auch, dass der Schmerz weniger wird. Vielleicht durch die Ablenkung in den letzten Tagen? Am Samstag habe ich bei D. in Frankfurt noch V. kennen gelernt. Nach dem Umzug waren wir noch in einer Kneipe, ich saß neben ihr und wir haben uns sehr nett unterhalten. Sie ist mein Jahrgang, was natürlich zu der gemeinsamen Aussage führte: "Ein sehr guter Jahrgang!" Bei der Verabschiedung nahmen wir uns kurz in den Arm und sie sagte: "Schön Dich kennen gelernt zu haben". Was ich mit einem: "Das finde ich auch" erwidern konnte. Ja, und das genügt auch schon. Ich habe einen weiteren netten Menschen getroffen. Nicht mehr - und auch nicht weniger! Vielleicht sehe ich sie mal wieder, wenn ich D. besuche.
So, nun ist es nur noch wenig mehr als ein Stunde bis zur Landung. Bin gespannt, wie gut ich mit meinem Englisch zurechtkomme. Immer wieder nehme ich mir vor, daran zu arbeiten. Aber am besten lernt man es beim Sprechen und Zuhören. Also in den kommenden Tagen. Und ich will mir auch mal eine Tageszeitung holen, nämlich die New York Times. Am besten die Ausgabe, in der die Bücherbeilage ist. Oder die extra dicke Ausgabe am Sonntag? Da kann mir bestimmt meine Vermieterin einen Tipp geben.
Soviel für diesen Moment. Eventuell geht es nachher im Hotel weiter.
Mittwoch, 2. November 2005
Gestern traf ich um 6 Uhr die York-Kollegen Jeff, Stephen, Lane and Lee. Wir waren gemeinsam italienisch Essen. Wenn alle durcheinander und recht schnell reden, habe ich Schwierigkeiten der Unterhaltung zu folgen. Als der Restaurantbesitzer seine "specials" aufzählte, die nicht in der Karte verzeichnet sind, habe ich fast kein Wort verstanden.
Als Vorspeise für alle gab es etwas "fischiges" (Carlamar??). Und ich verstand vorher immer "Karl May" und habe auf die Frage, ob ich das mag, mit einem "yes, when I was a young guy" geantwortet. Na ja, das wird nicht das einzige Missverständnis bleiben.
Der Abend war nett, ich habe die meiste Zeit zugehört, aber wurde auch manchmal in das Gespräch eingebunden. Nach und nach füllte sich das Restaurant. Die Amerikaner scheinen sehr früh Essen zu gehen.
Um halb neun waren wir zurück im Hotel und jeder ging auf sein Zimmer. Ich war recht müde, nach mittlerweile 21 Stunden unterwegs. Wollte aber nicht so früh schlafen gehen. Doch nachdem das Fernsehprogramm nichts bot, was mich interessiert bzw. das ich gut genug verstand, lag ich um neun im Bett und nach zweiten Seiten im Buch fielen mir die Augen zu.
Das Ergebnis war, dass ich um drei Uhr nachts das erste Mal wach wurde und ab vier wurde es immer schwieriger wieder einzuschlafen. Zwei Stunden blieb ich noch liegen, denn wir waren um halb sieben zum Frühstück verabredet.
Dies lässt sich kaum mit unserem Vergleichen: kein Brot, keine Brötchen, dafür Rührei, Pfannkuchen, Würstchen, gebratener Speck, gebratenen Kartoffelwürfel, Süsses, Müsli, Obst. Ist es da ein Wunder, dass so viele US-Bürger mit Übergewicht zu kämpfen haben? Im Fernsehen sah ich gestern eine Show mit dem Titel "The biggest is the looser", in der um die Wette abgenommen wird. Es gab mehrere Teams, die wöchentlich gewogen werden, und das Team, das prozentual zur vorigen Messung am wenigsten abgenommen hat, fliegt raus.
Die SunGard-Labs hier in Carlstadt sind wirklich eindrucksvoll. Wir haben einen Conference-Room mit Lounge, einen Serverraum für die Windows-Systeme und einen Serverraum für die AS400. Alles ist hochmodern ausgestattet. Ferner gibt es einen Mediaroom, mit Internetzugang und der Möglichkeit diverse Videospiele (z.B. Need for Speed, bei dem ich grandios versage …) zu testen. Daneben gibt es einen Raum mit zwei großen Ledersofas und einem großen Fernseher. Also wirklich nur vom Feinsten. Die Server sind kraftvoll bestückt und erleichtern die Arbeit sehr. Und wenn irgendetwas benötigt wird, so sind schnell mindestens zwei Mitarbeiter da, um die Dingen zu klären.
Ich komme gut voran. Am Nachmittag sind bereits Arbeitsschritte fertig, mit denen ich erst morgen gerechnet hatte. Die Hardeware ist wirklich ausgezeichnet.
Donnerstag, 03.11.05
Der zweite Tag in der SunGard Facility. Wir haben heute erst später angefangen, da zwei Kollegen bis halb zwei nachts hier waren.
Gestern Abend waren wir noch in einem japanischen Steakhouse. Es gab zwar größtenteils Sushi, aber auch Geflügel und Steaks. Wir saßen vor einer großen Bratfläche und bekamen unseren eigenen Koch, der mit viel Brimborium unser Essen zubereitete. Als Vorspeise gab es Shrimps. Ich probierte eine, doch es war erwarteterweise nicht mein Geschmack. Zur Show gehörte, dass bei ein paar Shrimps noch die Schwanzflosse vorhanden war, die er abtrennte und gekonnt in seine Kochmütze jonglierte. Anschließend stapelte er eine Zwiebelhälfte passend zu dem Restaurantnamen "Mount Fuji" zu einem kleinen Berg und ließ ihn in einer Stichflamme aufgehen. Gemischt mit Salat und Mungobohnensprossen war das die zweite Vorspeise. Dann briet er Reis und Nudel an, immer wieder mit kleinen Showeinlagen. Die Portion ließ ich bereits größtenteils liegen, weil ich meinem Sättigungsgrad gefährlich nahe kam. Und abschließend kam das gebratene Fleisch, bei mir Hühnchen, in dem ich lustlos und voll bis oben hin herumstocherte. Ich war pappsatt!
Anschließend fuhren wir wieder zu SunGard und arbeiteten dort bis 22:00 Uhr.
Heute hätte ich etwas länger schlafen können, wenn ich nicht erneut um 5 Uhr wachgewesen wäre. Ich wälzte mich bis halb sieben im Bett umher und stand dann auf. Um acht ging es Richtung SunGard, mit dem Umweg eines Frühstücks und einem kurzen Stop bei einem Dunkin-Donuts-Laden. Und auch dort wieder lassen die Amis keine Rücksicht walten. Es wird gegessen, bis der Knopf von der Hose springt.
Heute dann um 16.00 Uhr konnte ich mit stolzgeschwellter Brust verkünden, das die Rücksicherung der Oracle-Datenbank und der Aufruf des dazugehöerigen Programms erfolgreich sind. Das hatte ich nicht erwartet. In der letzten Stunde musste ich länger mit einem Oracle-Spezialisten in Deutschland telefonieren. Aber dann funktionierte es. Ich beende den Test, vervollständigte meine Dokumentation und baute das Testszenario wieder ab. Ich war fertig!
Freitag, 04.11.05
Nun bin ich also wirklich in NY. Und die Faszination dieser Stadt hat mich sofort gefangen genommen. Doch bleiben wir bei der zeitlichen Reihenfolge:
Nachdem wir erst um zwei Uhr im Hotel waren (wobei ich bis dahin die meiste Zeit mit dem Computerspiel "Need for speed underground" verbringen durfte) war ich dennoch bereits um halb acht wieder wach. So ganz habe ich mich von der deutschen Zeitzone noch nicht verabschiedet. Um zehn waren wir in der Lobby verabredet. Somit hatte ich ausreichend Gelegenheit in aller Ruhe meine Taschen zu packen und ein paar Dinge im Hotelzimmer zu erledigen. Das Frühstück ließ ich ausfallen, da es mir in dem Hotel zu teuer war. Stattdessen spekulierte ich auf einen kleinen Snack in NY.
An der Busstation durfte ich dann eine interessante Erfahrung machen: Wenn man an der falschen Haltestellen steht, kann man nicht den planmäßigen Bus kriegen. Und man sollte sich nicht unbedingt an die Beschilderung der Busstation halten - alles ist im Fluss ... Schließlich machte mich ein freundlicher Busfahrer darauf aufmerksam, dass ich doch noch ein paar Meter auf der anderen Straßenseite zu gehe habe, wenn ich denn heute noch in die Stadt möchte. Aber es war nicht langweilig, denn Jeff bereitete mir Gesellschaft. An der richtigen Stelle ging es dann recht schnell und im saß im Bus der Linie 99. Na ja, eigentlich hatte ich auf die 192 spekulierte. Die 191 wäre mir auch noch genehm gewesen. Dafür war die Fahrtzeit nicht dreißig Minuten , sondern nur fünfzehn. Und bei 3,45 USD darf man auch nicht meckern. Oder?
Der Bus fuhr bis zum Port Authority Bus Terminal 41st Street West und 9th Avenue. Ich brauchte lediglich ein paar Etagen runter gehen und war dann schon bei der Subway der Linie C. Richtung Downtown Brooklyn sah gut aus und ich löste mein Ticket an einem Schalter, denn an die Automaten traute ich mich nicht. Es dauerte einige Stationen, bis ich endlich Lafayette Avenue ankam. Weitere fünfzehn Minuten zu Fuß und ich war bei der gewünschte Adresse für meine Bed-and-Breakfast-Unterkunft. Während der Bahnfahrt war es interessant die Leute zu beobachten. Mir schräg gegenüber saßen zwei jüngere orthodoxe Juden, im klassischen dunklen Anzug mit weißem Hemd und großem Hut gekleidet. Der eine hat einen Vollbart, der andere war in eine Schrift vertieft. Der Bärtige war ganz fasziniert von einer Afroamerikanerin, die z.T. lauthals vor sich hin schimpfte. Ich verstand nicht was sie sagte, aber viele waren peinlich berührt und kaum jemand wagte, in ihre Richtung zu blicken. Mir direkt gegenüber versuchte eine junge Frau etwas zu dösen. Immer wieder wickelte sie ihr mittellanges Haar hinten zu einem Knoten zusammen, um es als Kopfkissen zu benutzen. Doch sie hatte kein Haarband und sofort lösten sich die Haare und fielen ihr in die Stirn. Und durch das Geruckel der Bahn, dauerte es keine zehn Sekunden, bis sich der gesamte Knoten entknotete. Doch sofort unternahm sie den nächsten Versuch.
Mein Zimmer liegt im zweiten und damit obersten Stockwerk und ist wirklich sehr hübsch. Alles alte Möbel, aber sparsam bestückt. Ich bekam von der Wirtin auch gleich einen Tipp, welchen Buchladen ich unbedingt aufsuchen müsste.
Ich bleib gar nicht lange auf meinem Zimmer, packte nur schnell die Taschen aus und los ging es. Erster Halt - ich traue mich kaum es sagen: McDonalds. Ja, ich hatte Hunger und Durst. Ja, ich hätte auch woanders hingehen können. Und es werfe der ersten Stein, wer ...
So saß ich dort, verdrückte einen "Quarter Pounder with Cheese", dazu Pommes und eine Coke. Während des Essens schaute ich aus dem Fenster und betrachtete die vorbeiflitzenden Leute. Die meisten von ihnen mit dunkler Hautfarbe, sei es Afroamerikaner, oder auch Hispanos. Wie wahrscheinlich überall in der Welt, war der Laden brechend voll. Die meisten nahmen jedoch ihre Mahlzeit mit.
In der Station DeKalb Avenue musste ich den Kampf mit dem Fahrkartenautomaten aufnehmen, da der Mann am Schalter mir kein Ticket direkt verkaufen wollte oder konnte. Nun haben die Amis ihr meistes Geld in Scheinen, bis runter zur 1-Dollar-Note. Der Automat akzeptiert auch Geldscheine, wenn man sie denn vorher schön gebügelt hat. Das hatte ich aber nicht, sondern das Geld ruhte zusammengefaltet in meiner rechten Hosentasche. Zwei Dollar wurden für das Ticket geduldig erwartet und schließlich fand ich zwei wenig zerknitterte Exemplare. Ohne den Fahrschein kommt man nicht durch das Drehkreuz und damit auf den Bahnsteig. Ich wusste, dass ich die Linie Q nehmen sollte, die fährt mit lediglich zwei Stopps zu 14th Street Union Square. Und kaum war ich unten lief die Bahn auch schon ein. Kurzer Blick, Q stand draußen dran und rein mit mir. Pech nur, dass es die falsche Richtung war! Na ja, übernächste Station stieg ich wieder aus und wechselte den Bahnsteig. Dann ging es recht flott über die Manhattan Bridge. Union Square setzte ich dann meinen ersten Fuß auf den Boden Manhattans (ich lasse jetzt das Umsteigen beim Busbahnhof mal außen vor). Ein bisschen brauchte ich dann, um mich zu orientieren. Aber schließlich sah ich bereits das Schild "Strand Books". Da wollte ich hin. Und das tat ich auch auf direktem Weg. Was ich dann erblickte, glaubte ich kaum: ein riesiger Laden über mehrere Etagen voll mit Büchern. Nach eigenen Angaben 18 Bücherregalmeilen! Stellt auch das mal vor!
Es verschlug mir den Sinn und ich wusste anfangs nicht wohin. Doch dann ging ich ins Untergeschoß, den dort wollte ich erstmal bei "german books" stöbern. Der Konjunktiv war schon ganz richtig gewählt, denn die Treppe runter erwartete mich ein Tisch mit neuen Büchern aus dem Bereich Science zu absoluten Knallerpreisen.
Ich will jetzt nicht mit meinen einzelnen Erkundigungen langweilen, als ich an der Kasse stand hatte ich einen Stapel Bücher auf dem Arm:
Nun wollte ich zum Museum of Modern Arts (MOMA). Nur wo ist das Ding? Ich saß im Stuyvesant Square und suchte vergeblich im Stadtplan. Doch wozu hat man einen Mund, wenn nicht zum Fragen? Das Ergebnis war East 54th Street und Fifth Avenue. Ich befand mich East 15th Street und Second Avenue. Also los ging es. Hmmm, Manhattan ist wirklich groß. Der Henkel meiner Büchertüte riß unterwegs und ich gab East 31st Street Ecke Fifth Avenue auf. Es war mittlerweile halb fünf und ich wusste nicht, wie lange das Museum geöffnet hat. Auf der Karte entdeckte ich, dass ganz in der Nähe, nämlich East 34th Street und Sixth Avenue eine Station der Linie Q ist. Dort ging ich hin, zog mir ein Ticket und los ging es. Ist doch alles ganz easy! Ich fühlte mich in der Stadt gut angekommen und gleich aufgenommen.Samstag, 05.11.05
Frühstück bei Dunkin' Donuts am Broadway Höhe Franklin Street! Die Nahrungsaufnahme bleibt schwierig. Aber immerhin steht vor mir ein (Plastik-)Becher (Beutel-)Tee. Gegessen habe ich einen "Chicken Bruschetta". Ich habe ihn nicht ganz runter bekommen. Es ist eigentlich zu früh für so etwas. Fast komme ich mir vor, als würde ich den Fast-Food-Doku-Film "Fat Man" nachspielen. Würde ich hier leben, wäre das ein echtes Problem. Oder entdeckt man dann "seine" Läden?
In der Nähe des Hotels in Lyndhurst an der (richtigen) Bushaltestelle hing gestern ein Zettel mit einem Mietangebot: Zwei Zimmer für $ 1.200. Ist das teuer, weil es außerhalb der City liegt? Oder ist es aus dem gleichen Grund günstig?
So, es stellt sich das erste Magengrimmen ein. Was auch nicht weiter verwunderlich ist. Gleich schaue ich mir den Finanzdistrikt von N.Y. an. M. + J. möchten ein Photo von den Hochhäusern haben.
Das Alleinreisen klappt wieder gut. Es ist nicht so, dass ich etwas gegen einen Reisepartner hätte, aber da müsste "die Chemie stimmen". Wenn jeder etwas anderes will und ständig Spannungen bestehen, ist das für keinen ein Gewinn. Das Erlebnis hatte ich zweimal, das genügt. Drum prüfe, wer gemeinsam Reisen will.
Es ist halb elf. Ich sitze im City Hall Park und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Mein Magen grummelt vor sich hin, das habe ich nun davon. Allmählich füllen sich die Straßen, vielfach sieht es nach Touristen aus. Aber ich bin auch einer, mit Kamera in der Hand. Guter Freund und ich würden jetzt scherzen: " Das sind Schweine-Touristen, bähh, urghh. Aber wir, wir sind feine Touristen." (in Anlehung an ein Gedicht von Max Goldt / DJ Kotze).
Der erste Film ist bereits voll. Immer wieder mit Aufnahmen von beeindruckenden Gebäuden.
Die Büchergeschichte hat sich zum Guten gewendet. Na ja, zumindest fast. Nach meinem Marsch durch Downtown Manhattan inkl. Finanzdistrikt (so überwältigend kamen mir die Häuserschluchten gar nicht vor) bin ich nochmals zu "Strand Books" gefahren. Dort habe ich dann mein Problem geschildert und wurde an eine Kassiererin verwiesen. Ihr erzählte ich die gleiche Geschichte und ich bekam das Geld erstattet. Klasse! Wir kamen kurz ins Plaudern und lustig war noch, dass sie sagte, ich hätte einen irischen Akzent.
Und wenn ich denn schon mal da war, schaute ich gleich nach weiteren Büchern. Wie das ausgegangen ist, kann sich jeder hier vorstellen:
Drei Stunden bin ich durch die East Side von Uptown Manhattan gelaufen, immer auf der Suche nach dem Manhattan des Woody Allen. Doch gefunden habe ich die extravaganten Läden in der 5th Avenue, Park Avenue etc. Da war es schon schwierig, irgendwo mal auf einen Tee zu sitzen und sich anhand der Karte und/oder des Reiseführers zu orientieren. Aber es sieht so aus, dass ich in der Westside hätte suchen müssen.Sonntag, 06.11.05
Wieder schlecht geschlafen und früh aufgewacht. Die Zeit von fünf bis halb acht verbrachte ich damit, noch mal einzuschlafen. Aus diesem Dösen riß mich öfters das Gejaule einer Polizeisirene. Die Geräusche vom Straßenverkehr auf der nahen DeKalb Avenue sind omnipräsent. Doch irgendwann gelang es mir trotzdem. Jetzt bin ich mit dem Packen fertig und ich habe es tatsächlich geschafft, alle Bücher zusammen mit den Klamotten im Rucksack zu verstauen. Nun fehlt nur noch ein Gewichtheber, der mir das Ding auf den Rücken bugsiert. Das wird nachher eine schöne Schlepperei.
Aber zuerst fahre ich nochmal nach Manhattan. Ich kann mein Gepäck so lange hier deponieren. Ich werde es gegen halb drei abholen und dann damit direkt zum Flughafen fahren. Angeblich soll es von Pennsylvania-Station aus einen Bus zum Newark-Airport geben. Vielleicht schaue ich mir das vorher an, damit ich nicht mit den schweren Sache da lange umherirren muss. Und eventuell kann ich auch schon das Busticket kaufen, zumindest aber herausfinden, was es kostet. Denn allmählich werden die Dollars knapp und ich möchte eigentlich nicht mehr wechseln oder an den Automaten gehen.
Meine letzte Fahrt nach Manhattan trieb mich erneut in den Central Park. Ich wollte ein paar Fotos von der Skyline East Side machen. Leider hingen die Wolken recht tief, so dass ich nicht immer das Ende der Gebäude sehen konnte. Von dort aus schlendete ich in Richtung Westside und landete - ungewollt - im Zielbereich des New-York-Marathons. Die ersten Läufer waren bereits im Ziel. Die Zuschauer feuerten frenetisch ein paar Rollstuhlfahrer an, die sich die letzte Anhöhe heraufquäulten. Für einen Augenblick verweilte ich dort ging dann langsam in Richtung Pennsylvania-Station. Doch auch diesmal war die Strecke nicht fußläzfig. Zudem kam die Sonne durch und ich begann zu schwitzen. So schnappte ich mir eine Underground und fuhr bis zu dem Bahnhof. Dort brauchte ich etwas, um mich zu orientieren. Nein, von hier aus fährt kein Bus nach Flughafen Newark. Aber eine Bahn. Also entschied ich, mit der Bahn dorthin zu fahren.
Mein nächster Weg führte mich zum Unions Square. Ich wollte dort in die Linie Q einsteigen. Ich hatte noch genügend Zeit und so machte ich einen "kleinen" Umweg durch den Stadteil Chelsea. Und das war nun ein Stadtteil, den ich schon eher hätte entdecken sollen: Künstler, Journalisten, Schwule, Rentner und viele Kneipen, Cafes. Zwar alles total überfüllt, denn es war noch Brunch-Zeit. Aber trotzdem bot sich mir ein interessantes Bild. Es hatte etwas von St. Georg in HH.
Pünktlich um halb drei holte ich meinen Rucksack und den Rest ab. Ich kam aus der Hocke wieder hoch, als ich den Rucksack aufgeschnallt hatte (die Wage am Flughafen zeigte später 23,2 kg). Schwer schleppend, schwitzend und mitunter auch unter dem Gewicht schwankend, schleppte ich mir zu U-Bahn. Die Barrikaden für den Marathon waren bereits abgebaut, so dass ich keine Umwege zu gehen brauchte. In der Bahn sitzend öffneten sich alle Poren und sie Suppe lief mir nur so runter. Bis Pennsylvania Station dauerte es mit der Linie C etwas. Dafür fand ich dort schnell Anschluß nach Newark. Zuerst dachte, ich dass ich ja viel zu früh dort sein würde, aber die Zeit wurde dann benötigt zum Einchecken, für ein letztes McDonalds-Mahl und die amerikanischen Sicherheitskontrollen.
Im Flugzeug hegte ich lange Zeit den verzweifelten Wunsch, allein in meiner Sitzreihe zu bleiben. Denn ich saß genau in der Mitte. Doch er ging nicht in Erfüllung. Mein Pilotenkoffen passte nicht in Kofferablage, sondern ich musste ihn unter den Vordersitz schieben. D.h. ich konnte immer nur ein Bein zur Zeit ausstrecken. Hinzu kam der Egoismus meiner Nachbarn, die nicht nur jeweils die mir zugewandte Armlehne okkupierten, sondern auch noch ihre Knie in meinen Sitzbereich wandern ließen. Okay, sie waren größer als ich und hatten läbngere Beine und damit auch "Verstauungsprobleme". Trotzdem fand ich das frech.
Während des ganzen Flugs fand ich keinen Schlaf. Ich versuchte zu Lesen, ich sah mir den Film an, hörte Musik und versuchte nicht daran zu denken, wie grauenvoll es wäre, wenn jetzt auch noch die Beine zu zucken anfangen würden. Bis sie es taten! Da hatte ich noch qualvolle zwei Stunden Flug vor mir.
Die Wartezeit in Frankfurt war ebenso quälend. Ich kam mir verschwitzt vor, mochte wegen meinem Gepäck kein WC aufsuchen, bekam Kopfschmerzen, war müde und genervt von all den wichtigen "Tintenpissern" die mit mir auf den Flug nach HH warteten. Nieten in Nadelstreifen, fällt mir dabei immer wieder ein. Ach ja, da sind sie wieder, meine geliebten Vorurteile ....
In Hamburg dauerte es etwas ein Taxi zu bekommen, weil diese Nieten sich an die Spielregeln halten können. Sie sind halt "Mr. Wichtig" mit Vornamen "Ober". Um elf war ich schließlich im Büro. An konzentrierts Arbeiten war dabei aber nicht zu denken. Ich erledigte ein paar Dinge und ließ mich um viertel nach drei von Frau N. abholen.
Das war mein New-York-Trip. Interessant, lehrreich und faszinierend. Ob ich noch mal nach NY fliegen werde? Wenn es irgendwie passt, dann ja. Allerdings nicht nur für zwei Tage. Es gibt dort noch viel zu sehen.