29.06.2008, Sonntag
Kommentar

Vor zwei Wochen gab es in der F.A.Z. (12.06.2008) einen klasse Bericht über Douglas Tompkins. Der Name sagte mir im ersten Moment überhaupt nichts. Euch?
Er ist der Begründer der Modemarke Esprit, die er 1990 für geschätzte 200 Millionen Dollar verkaufte. Seit dem setzt er sich vollständig für die Erhaltung der Natur in Patagonien ein. Zwischenzeitlich besaß er 900.000 Hektar Land.
Sein Sinneswandel bekam 1985 einen Anschub als er eine Statistik über die Menge der Kleider bei US-Bürger las. „Jedes überflüssiges Stück Textil hat, zur Bewässerung der Baumwollfelder, unnötig Wasser verbraucht. Die Spinnmaschinen, die Webmaschinen sind aus Stahl, Stahl entsteht durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl, Uran. Gifte kommen frei, Kohlendioxid, Radioaktivität und anderes. Und bevor die Kleider zum Verkauf anstehen, reisen sie um die Welt, diesel- oder kerosinangetrieben. Ein Irrsinn.“
Er begann 1990 mit 17.000 Hektar und einem alten Haus ohne Strom und Telefon. Gleichzeit gründete er die „Foundation for Deep Ecology“. „Deep Ecology, einfach gesagt, meint Earth first, die Erde zuerst. Nicht der Mensch ist das Maß der Dinge, sondern alle Wesen, ob belebt oder unbelebt. Der Planet als Ganzes ist ein Lebewesen. Und der Mensch, ein Detail, ist zwar berechtigt die Erde und was auf ihr ist, zu nutzen, damit er nicht hungert und nicht friert. Aber das ist bereits alles.“
Mittlerweile sind es 12 Projekte, die sich über die Länder Chile und Argentinien erstrecken. In ihnen wird renaturiert, einheimische Bäume gepflanzt, vor Erosion geschützt. Und wenn die Gefahr der Vernichtung gebannt ist, wird das Gebiet an den entsprechenden Staat als Nationalpark übergeben – was leider nicht immer funktioniert.
In dem Artikel wird er gefragt „kann man so die Welt retten?“ Und er antwortet: „Ich weiß nicht. Die Zukunft, vielleicht, ist ein Gewebe aus kleinen, dezentralen Einheiten, wirtschaftlich, politisch, kulturell. Das Lokale ist dann wichtig, nicht mehr das Globale, das Allgemeine, nicht mehr das Besondere. Die Menschen nach uns wissen von vielem ein bisschen – nicht wie heute, wo sie von so wenig vieles begreifen.“
Und so prangert er die fortschreitende Naturzerstörung an und gibt ein Beispiel: „Norwegen produziert im Jahr ungefähr die gleiche Menge Mastlachs wie Chile. Aber dort verfüttert man den Tieren jedes Jahr 800 Kilogramm Antibiotika, in Chile aber 133 Tonnen. Das Hundertsiebzigfache. [...] Eine Lachsmast macht so viel Scheiße wie eine Stadt von 65.000 Menschen.“ Die dann ins Meer fließt. Der Artikel erläutert zusätzlich: „Farbstoffe gäben sie den Lachsen zu fressen, damit ihr Fleisch rosa werde, Fungizide, Pestizide, Desinfektionsmittel, um noch schneller reich zu werden. Dabei gehöre der Lachs gar nicht hierher. Der Lachs, dieses fremde Raubtier, habe mittlerweile die patagonischen Flüsse erobert und fresse sie kahl. [...] Lachs für die Welt, Gift für das Meer.“
Der Einsatz dieses Mannes macht nachdenklich. "Wer denkt, wird traurig."

Dies war der letzte Eintrag in meinem Blog. Es ist vorbei! Mir fehlt die Inspiration und manchmal auch die Zeit und die Lust. Irgendwann einmal muss Schluss sein.
Vielleicht wird mein politischer Blog auf www.contra-schill.de wieder aktiver gestaltet.
Diese Adresse wird bis Ende des Jahres umgebaut zur Homepage von meinem neu gegründeten „Verlag F. Stülten“. Es wird dann hier eine Leseprobe des ersten Titels (einer Übersetzung von Marlon James „John Crow's Devil“) geben und weiter Informationen zum Verlag.

Ob und wie dieses Blog als Historie zur Verfügung gestellt wird, ist noch unklar. Doch scheint mir die Relevanz einer Aufbewahrung zu gering. Dinge die, die Welt nicht braucht.