16.04.05 Samstag
Um 4:40 Uhr klingelte der Wecker, eine Stunde später trottete ich mich dem
Gepäck zur U-Bahn und um 6:19 startete der Zug nach Frankfurt. Leider nur bis zum
Hauptbahnhof, so musste ich mit der S-Bahn zum Flughafen. Dort traf ich mich noch für
eine 3/4 Stunde mit A., bevor ich den Flieger nach Madrid gestiegen bin. Sie hat extra für
mich ihr Geschäft verlassen. Das freute mich sehr, denn so oft sehen wir uns nicht.
Zweieinhalb Stunden später landete ich in Madrid. Es war ein problemloser Flug. Der
Aufenthalt dort verzögerte sich und es setzten leichte Kopfschmerzen ein. Ich nahm eine
Aspirin und versuchte möglichst viel Wasser zu trinken. Die Wartehalle vor dem Cuba-
Schalter füllte sich minütlich. Es waren auch einige Deutsche dabei und ich fragte
mich, wer wohl zu meiner Reisegruppe gehören mag. Um 17:00 endlich Check-In, gegen halb
sechs Abflug. Und dann begann die Tortur mit 9,5 Stunden Flug. Die Kopfschmerzen wurden
immer stärker, es war voll und laut, die Klimaanlage verursachte Dauerzug und
Dauerkrawall, mein Nacken versteifte sich dramatisch und mein rechtes Bein begann seinen
eigenen Tanz aufzuführen, besonders unangenehm in dieser Enge. Die eingespielten Filme
brachten kaum Zerstreuung, da sie auch mit Kopfhörer kaum zu verstehen waren. Und Lesen
war mit den Kopfschmerzen kaum möglich. Ja, ich weiß, ich bin ein Weichei und
Jammerlappen. So schlief ich viel und die Schmerzen mauserten sich zu einer Migräne. Na
klasse!
Doch irgendwann hat alles ein Ende und wir kamen um 21:00 Ortszeit (= 3 Uhr MESZ) in
Havana an. Die Passkontrolle war trotz meines lediglich vorläufigen Reisepasses kein
Problem. Dafür die Gepäckausgabe, denn ich entdeckte meine Tasche nicht auf dem
Laufband. Ich dachte schon, dass sie nun weg ist, als ich sie nach über einer Stunde
in einer bereits aussortierten Ansammlung von Koffern aufspürte. Wahrscheinlich hatte
jemand das gute Stück versehentlich vom Band genommen und dann stehengelassen. Vielen
Dank auch! Als einer der Letzten trat ich in die Eingangshalle. Meine Gruppe stand dort
bereits. Und meine Befürhctungen bestätigten sich: ich dürfte wohl mit
Abstand der Jüngste sein. Die Frauen vom Typ "geschiedene Ökotanten"
im "Ist-mir-doch-gleich-wie-ich-rumlaufe"-Look [Anm.: Wie man sich doch täuschen
kann!]. Soviel zum Thema "meine
Arroganz und ich". Gegen halb zwölf waren wir schließlich im Hotel in
Havannas Altstadt. Schon bei der Busfahrt sah ich all die alten Autos, die brüchigen
Häuser, die fremden Menschen. Ich weiß noch nicht was mich erwartet, aber ich
glaube, dass so weite Reisen nicht das richtige für mich sind.
17.04.05 Sonntag
Die erste Tour durch Havanna, jedoch zu Fuß. Aber der Reihe nach: die Nacht war
ruhig und erholsam. Natürlich bin ich ein paar mal aufgewacht, aber gleich wieder
eingenickt. Um 6:45 schließlich aufgestanden, geduscht, geschrieben und gelesen. Kurz
vor acht bin ich in den Frühstücksraum im 5. Stock gefahren. Dort herrschte
hektisches Treiben. Ich brauchte ein bißchen, um micht zurecht zu finden. Doch dann
frühstückte ich drei leckere kleine Brötchen mir Rührei und eine Tasse
Tee.
Um neun trafen wir uns am Hoteleingang und marschierten fast vier Stunden durch die
Altstadt. Unser Guide Adalberto erklärte einiges, aber es stürzte natürlich
zu vieles auf einen ein. Der erste Film ist voll. Die Stadt ist voller Touristen und vieles
ist genau auf diese Clientel gerichtet. Da gibt es Frauen in folkloristischer Kleidung, mit
denen man sich fotografieren lassen kann. Da wird man auf der Straße angesprochen und
ich Trottel lasse mich mit einem sogar auf ein Gespräch ein. Er leiert mir zwei Pesos
aus den Rippen, angeblich um davon Milch für seinen kleinen Bruder zu kaufen. Das
Geld wäre bei einem heruntergekommenen Bettler besser angebracht. Denn mit dem gleichen
Trick wurde eine Mitreisende von einem anderen Mann angesprochen.
Nach einer Siesta trafen wir uns um 15:00 zur ersten Radtour durch Havanna. Die Radwahl
war aufwändig, aber schließlich stiegen wir in die Sattel und brachten ca. 20 km
hinter uns. Anfangs fuhren wir an der Meerespromenade entlang. Viele Menschen säumten
den Weg, größtenteils Jugendliche. Aus eine Gruppe junger Mädchen rief mir
eine zu: "Juanito, I want a baby from you!" Ein Weg für Frauen, um ein anderes
Leben anfangen zu können. Auf jeden Mann kommen 3 bis 4 Frauen. Und die jungen
Kubanerinnen sind teilweise wirklich sehr hübsch. Aber viel zu jung, viel zu jung.
Adalberto leitete uns durch die stark heruntergekommenen und die besser situierten
Gegenden von Havanna. Immer wieder Zerfall und provisorische Reparaturen, die Straßen
schlaglochgesät. Um kurz nach sechs endete unser Ausflug.
Abends waren wir in einem Restaurant, das uns Adalberto empfohlen hatte. Das Essen war gut
und reichlich, zwei Mojito ließen die Stimmung steigen - bei den anderen, ich hielt
mich noch etwas im Hintergrund.
18.04.05 Montag
Um 9:00 Abfahrt mit dem Bus nach Santa Clara. Das liegt ungefähr 250 km von Havanna
entfernt im Landesinneren. Während der Fahrt hing ich meinen Gedanken nach und machte
mir ein paar Notizen.
Noch immer prägen Oldtimer das Straßenbild, doch kaum einer gleicht dem anderen.
Bei einigen meint man, das müsste das lettze Exemplar auf dem Erdenball sein.
Dazwischen überfüllte Busse und die sogenannten "Kamele" (Zugmaschinen
mit riesigen Personenanhängern, vollgestopft mit Fahrgästen). Und überall
Anhalten, teilweise in ganzen Gruppen. Sie klettern Böschungen von brüchigen
Brücken rauf oder runter, liegen unter Brücken bei Regen oder im Gras bei
Trockenheit, winken mitten auf der Straße stehend die Autos an. Wir jedoch dürfen
niemanden mitnehmen. Stattdessen gibt es Stellen, an denen Gelbuniformierte vom Transport
ministerium mit Listen stehen und Privatautos und LKW's anhalten, die dann Passagiere
mitnehmen müssen.
Selbst Ladeflächen sind mit zwei, zehn, fünfzehn oder mehr
Kubanern belegt. Dann am Straßenrand ein defekter Kleinbus, deren Fahrgäste auf
eine neue Mitnahmegelegenheit warten. Autos werden auf dem Randstreifen der Autobahn
repariert. Der Mittelstreifen ist eine Grünfläche mit niedrigen Büschen in
bestimmten Abständen. Oder auch völlig ohne Bewuchs oder eine schlichte
Betonfläche. Der Rasen wird von Arbeitern gepflegt, die mit einem langen Messer für
Kürze sorgen. Und so kann auch mal direkt auf der Autobahn gewendet oder links
abgebogen werden. Oder wenn auf der anderen ein Rastplatz ist, dann wird halt die Spur
gewechselt und die letzten Meter auf der Gegenfahrbahn bewältigt. Und so ist der
Mittelstreifen auch kein Hindernis bei sonstigen Straßenquerungen, sei es selbst zu
Fuß oder mit dem Pferd.
Das Wort "Autobahnkreuz" bekommt hinsichtlich einer
normalen Kreuzung mit einer Landstraße eine ganz neue Bedeutung. Radfahrer gehören
eh zum normalen Erscheinungsbild auf der Autobahn, doch ich staunte nicht schlecht, als ich
plötzlich fliegende Händler mit Tabletts auf dem Mittelstreifen auftauchen sah,
die ihre Ware (Obst, Käse) anboten.
Unsere Hotelanlage lag etwas außerhalb und nach einem Poolaufenthalt gab es noch eine
zweistündige Radtour. Für meinen Geschmack mit zu vielen Stopps. Aber morgen haben
wir ein paar Kilometer mehr vor uns.
Das Abendessen gab es in Form eines Buffets in der Anlage. Ich war nicht sonderlich
begeistert. Den Abschluß bildete eine Modenschau. Oh je, sind die Mädels
dürr. Aber einige sehr hübsche dabei. Ich könnte mich hier fast
stündlich neu verlieben. Aber die Gedanken gehen auch immer wieder in Richtung Hamburg
und an das, wie es wohl nach dem Urlaub sein wird.
19.04.05 Dienstag
Es gab die erste längere Tour. Morgens haben wir die Gedenkstätte von Ernesto
"Che" Guevara besucht (Che ist übrigens nicht sein zweiter Vorname,
sondern steht für "Kumpel" oder "Freund"). Dort liegen seine
Gebeine und die seiner damaligen Mitstreiter. Er ist erst 1997 dazu gekommen. Damals wurde
sein Leichnam in Kolumbien entdeckt.
Danach brachte uns der Bus etwas außerhalb von Santa Clara. Übrigens heißt
unser Busfahrer Jesus, was uns immer wieder zu dem running Gag "Jesus ist bei uns"
führte. Nicht sehr originell, aber witzig. Und los ging es mit dem Rad. Fast 50 km
legten wir zurück, mit Hügeln und einmal mit einer Steigung, bei der alle
außer Adalberto absteigen mussten. Ich hatte einen guten Lauf und konnte
außer dieser einen alle Bergwertungen und Etappen für mich entscheiden. Aber
darauf kommt es ja nicht an! Drei Teilnehmerinnen mussten in den Bus umsteigen, der immer
in einem gewissen Abstand hinter uns herfuhr. Bei Problemen war er somit spätestens
nach zwei Minuten da.
Nach einer Mittagspause in einer Hotelanlage, fuhren wir noch mal ungefähr 13 km bis
nach Trinidad. Dort endete unsere Tagesreise in einer Feriensiedlung. Ich hatte einen
Bungalow für mich allein, mit einem großen Zimmer. Es behagt mir sehr, dass ich
jede Nacht ein Einzelzimmer habe. Der Gruppenzusammenhalt ist recht gut, aber ich
verabschiedete mich an dem Abend gegen 22:30. Bin halt kein Nachtschwärmer und brauche
immer noch ein bißchen Zeit für mich.
20.04.05 Mittwoch
Am Vormittag ein Ausflug zu einer Zuckerrohrplantage 15 km außerhalb von Trinidad.
Kaum angekommen wurden wir sofort von bettelnden Kindern und Frauen umkreist. Ich wurde nach
T-Shirts und Seife gefragt. Die Seife hatte ich mal wieder im Hotel vergessen. Neben dem
alten Plantagengebäude gab es einen Markt mit Stick- und Strickwaren. Von einem Turm
aus konnte man die Umgebung betrachten. Kein spektakulärer Ausblick, die Landschaft ist
sehr braun, da die Regenzeit erst im Mai beginnt. Die Rückfahrt legten wir nicht
gänzlich mit dem Rad zurück. Vor der letzten starken Steigung sammelte uns Jesus
ein.21.04.05 Donnerstag
Statt der geplanten 80 km sind wir leider nur ca. 42 gefahren. Die restliche Strecke
war wegen Bauarbeiten gesperrt und der Umweg zu hügelig. Nun war heute aber auch der
bisher heißeste Tag des Urlaubs - so mein subjektiver Eindruck. Dennoch wäre ich
gerne noch weiter gefahren.
Übernachtung diesmal in Cienfuegos. Dadurch, dass wir den Rest mit dem Bus gefahren
sind, waren wir bereits um 16:15 im Hotel. Für meinen Geschmack machen wir zu oft und
zu lang Pause.
Das Zimmer lag direkt am Pool, aber mir war nicht nach Schwimmen. Ich nahm eine Dusche,
legte mich für eine halbe Stunden hin und las bis zum Abendessen in "Anna
Karenina". Das Buch fängt wirklich sehr gut an und es macht Freude. Ach ja, es
gibt noch so viele Klassiker der Weltliteratur zu entdecken. Und noch unendlich weitere
Perlen.
22.04.05 Freitag
Nach einer Besichtigung von Cienfuegos brachte uns der Bus ca. 100 km in Richtung Playa
Giron. Dort stiegen wir auf das Rad und fuhren 20 km bis direkt nach Playa Giron. Das Gebiet
gehört zur Schweinebucht, jener Ort, in dem 1961 eine Truppe Exil-Kubaner zusammen mit
einigen Söldnern und unterstützt von den US-Amerikanern eine Invasion versuchten.
Doch sie wurden nach ein paar Tagen besiegt.
Nach einem kleinen Snack nahmen wir die restlichen 48 km in Angriff, unterbrochen nur von
einem kleinen Badestop, bei dem sich der Großteil der Frauen unbekleidet in die
Karibik stürzten. Ich habe mich lieber abgewendet, denn den Anblick wollte ich mir
nicht antun. Wie gesagt: ich bin der Jüngste in der Gruppe.
Endstation war Playa Larga. Dort setzten wir mit einem Boot auf eine Insel über. Zitat
aus dem Reiseführer: "Villa Guama, zwar sind die Moskitos hier eine Plage und die
Musik viel zu laut, doch wenn der letzte Tagestourist verschwunden ist, verwandelt sich das
Hoteldorf in eine Oase der Stille.
Es ist einem präkolumbianischen Indianerdorf
nachempfunden, die modern ausgestatteten Zimmer liegen in strohgedeckten Hütten im See,
die durch Holzbrücken verbunden sind." Das kann ich nur bestätigen. Leider
ist ein paar Wochen zuvor bei einem Buschbrand ein Teil der Anlage zerstört worden.
Aber es ist wirkich eine himmlische Ruhe dort. Und eine faszinierende Natur. Das erstemal in
meinem Leben habe ich einen Kolibri gesehen.
Abends gab es Fisch und Krokodilfleisch. Auf den Fisch habe ich verzichtet, aber das Fleisch
schmeckte ganz gut. Und die Mojitos durften nicht fehlen. Ebenso wie die Moskitos.

23.04.05 Samstag
Der gestrige Abend war lang, da Adalberto heute Geburtstag hat und wir reingefeiert
haben. Es war ein lustiger Abend, auch wenn ich Mühe hatte, standhaft dabei zu bleiben,
nicht zu tanzen.
Der Wecker klingelte bereits um 6:15, da drei Mitreisende und ich um 6:50 zu einer
vogelkundlichen Bootstour abgeholt wurden. Zum Glück war Claudia als Dolmetscherin
dabei.
Und ich Trottel wollte nach sieben Bildern den Film meiner Kamera wechseln und
musste feststellen, das ich einen vollen Film eingepackt hatte.
Die Anreise zum nächsten Hotel erfolgte größtenteils per Bus. Lediglich die
ersten 21 km bis zur Autobahn sind wir geradelt. Im Bus habe ich ein wenig gelesen und etwas
mehr geschlafen. Aber es war so warm, ich fühlte mich so unangenehm klebrig und das
rechte Bein zuckte. "Anna Karenina" ist wirklich eine schönes Buch: "
Nein, du entrinnst uns nicht und wirst kein anderer werden, du wirst bleiben, wie du
gewesen bist, mit deinen Zweifeln und der ewigen Unzufriedenheit mit die selbst, mit den
vergeblichen Besserungsversuchen und der ihnen folgenden Resignation und mit der ständigen
Hoffnung auf ein Glück, das dir nicht bestimmt ist und nie kommen wird." So geht
es Konstantin Lewin durch den Kopf. Und das kommt mir bekannt vor.
Unser heutiges Hotel ist phantastisch. Aber auch dekadent nobel. Das Zimmer so groß, wie
so manche Hütte für eine vierköpfige Familie auf dem Land und mit allem
Komfort versehen. Ob die Kubaner eigentlich wissen, in welch einem Luxus die Touristen
nächtigen? Hier gibt es einfach fast alles, inklusive bildschöner weiblicher
Hotelangestellter. So unnahbar wie die Sterne im Himmel und mit eben solchen Glanz in den
dunklen Augen. Hier könnte ich - ebenso wie gestern auf der Insel - länger
verweilen.
24.04.05 Sonntags
Die bisher anstrengenste Etappe. Oder ich bin einfach nur kaputt. Gestern war ich wieder
erst um halb eins im Bett, nachdem ich noch lange mit Martina in der Hotelbar eine nette
Unterhaltung hatte.
Die heutige Tour begann mit einer kleinen Abfahrt. Dann kamen zwei starke Steigungen. Die
erste schaffte ich noch, musste nur kurz vor dem Gipfel aus dem Sattel gehen. Bei der
zweiten war es vorbei und ich musste absteigen und schieben.
Dann gab es eine lange Abfahrt,
wobei wir jedoch aufpassen mussten, da die Straße regennass und rutschig war. Willy und ich
hatten teilweise soviel Speed drauf, das wir sogar beinahe einen LKW überholen
konnten, leider kam Gegenverkehr. Es folgten 17 km radfahren auf der wenig frequentierten
Autobahn und ein hügeliges Reststück. Und das schaffte mich völlig. Zwar
"zog" Willy mich im Windschatten. die Anhöhen hoch, aber ich ließ immer
wieder abreißen. Er wartete dann wieder darauf, dass ich mich gegen den Wind
heran kämpfte, doch es fiel mir jedesmal schwerer. Den Rest der Truppe ließen
wir trotzdem souverän zurück. Schließlich kamen wir in San Diego an. Ich
habe ein Zimmer in Richtung Pool und dort ist richtig Ramba-Zamba. Schrecklich!
Nach dem Abendessen konnte ich mich nicht mehr länger wehren und wurde von einer
charmanten kubanischen Tanzlehrerin zu meiner ersten Salsa-Lektion genötigt. Und es
klappte recht gut. Mir wurde später von einem anderen Kubaner gesagt, ich hätte
den Rhythmus im Blut und sollte unbedingt weitermachen mit dem Tanzen. Na ja, ich habe da
noch so meine Zweifel. Aber es war ein netter Abend, obgleich ich mich nicht so ganz wohl
auf der Tanzfläche gefühlt habe.
25.05.04 Montag
Auf zur letzten längeren Tour! Diesmal ohne jeglichen Bustransfer ging es von San
Diego nach Vinales, bzw. in einen Hotelkomplex ("Los Jazmines") in der Nähe.
Insgesamt eine Strecke von 70 km. Die ersten 60 liefen super, er war relativ flach mit ein
paar Steigungen, kein Gegenwind bremste uns aus und ich hatte mehr Kraft als am Vortag. Und
so enteilte ich der Gruppe ein paar mal, wartete aber immer wieder brav. Die restlichen 10
km ging es über einen Berg mit einer harten, aber machbarn Anstieg und einer
schönen Abfahrt. Viereinhalb Stunden waren wir unterwegs. Und ich fühlte mich
klasse. Das Hotel machte äußerlich einen guten Eindruck, aber mein Zimmer war
das bisher schlechteste auf dieser Reise: das Warmwasser kam lediglich als dünner
Rinnsal aus dem Duschkopf, anfangs gab es nur eine braune Brühe, die Toilettespülung
funktionierte erst nach zweimaliger Beschwerde, dafür brauchte es danach eine halbe
Stunde, bis der Behälter wieder vollgelaufen war, das Zimmer war eng und alles roch
muffig. Leider blieben wir hier zwei Nächte.
Am Nachmittag unternahm ich mit Claudia eine tolle Wanderung. Da sie sehr gut Spanisch
spricht, kamen wir zuerst mit zwei Bauern und dann mit einem alten Ehepaar ins Gespräch.
Die Bauern erzählten von ihren Tieren, vom Tabakanbau und deren Lagerung. Das alte
Ehepaar zeigte ganz stolz ihr neuen, im Bau befindliches kleiner Haus mit dem Hinweis:
"Ein Geschenk von Fidel". Die Frau war so groß wie ein Kind, ganz dürr
und ging nach einer Hüftoperation noch an Krücken.
Aber trotzdem schienen sie
zufrieden in ihrer winzigen Holzhütte. Wie überhaupt die Leute hier einen so
zufriedenen Eindruck machen. So eng bin ich bisher noch nicht mit den Einheimischen in
Kontakt gekommen. Und das nur Dank Claudia. Das zeigt mir mal wieder, dass man die Sprache
sprechen muss, um noch mehr Facetten eines Landes zu entdecken.
26.04.05 Dienstag
Ein heißer Tag mit unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit. Man brauchte sich gar
micht zu bewegen und fühlte sich trotzdem ständig klebrig und durchgeschwitzt.
Letzte Radtour um Vinales herum, mit Besuch einer Höhle und einer Tabaksortieranstalt.
Dort konnte ich Zigarillos, Zigarren und kubansichen Rum kaufen. In dem Laden kam mal wieder
das typisch deutsche Verhalten durch: "Welches sind denn die besten Zigarren?"
Dabei ist das eher eine Frage des Geschmacks und ob man eher stark, mittel oder mild
raucht.
Den Nachmittag verbrachte ich im Bungalow. Leider war es sehr unruhig draußen, da
die meisten auch dort blieben und das Gesabbel und Gegacker unter dem Vordach laut
widerhallte.
Morgen beginnen vier Tage Strandurlaub. Wie soll ich die bloß rumkriegen?
27.04.05 Mittwoch
Die Nacht war grauenvoll. Ich musste immer wieder einen Fuß aus dem Bett halten,
um zu bremsen. Zwei Cuba Libre und ein Mojito waren zuviel. Aber es war ein genialer Abend
in einer Salsa-Bar in Vinales mit Livemusik. Ich sogar einmal getanzt, als ich von einer
kubanischen Schönheit aufgefordert wurde. Sie hatte es jedoch lediglich auf ein Bier
abgesehen und ich Trottel habe ich keins spendiert. Auf dem Rückweg bin ich noch von
zwei weiblichen Mitreisenden belagert worden, die mit mir unbedingt noch in den Hotelpool
wollten. Ich hatte arge Schwierigkeiten mich meiner Haut zu wehren, blieb aber standhaft.
Am Morgen hatte ich einen Brummschädel. Zum Glück musste ich nicht mehr auf das
Rad. Mit dem Bus ging es in Richtung Havana. Wir machten Station in Pina del Rio und
besuchten eine Zigarrenfabrik, in der noch alles in Handarbeit hergestellt wird. Das sind
gesuchte Jobs, da der Lohn verhältnismäßig gut ist.
Endstation der Reise war eine Ferienanlage am Playas del Este ("Villa Megano" in
Santa Maria del Mar). Ich hatte wieder eine Bungalowhälfte für mich. Wir mussten
am Pool noch eine Stunde auf die Zimmer warten und das Gesabbel von einigen Frauen aus
meiner Gruppe ging mir zunehmend auf die Nerven.
28.04.05 Donnerstag
Wie befürchtet beginnt hier die Langeweile. Der Tag bietet kaum noch Fixpunkte und außer am Strand zu liegen ist hier nichts los. Schrecklich.
29.04.05 Freitag
Allein in Havanna unterwegs. Und diese Stadt ist Sex pur. Was dort den Augen geboten
wird ist unbeschreiblich. Fast fünft Stunden bin ich durch die Straßen gelaufen.
Und es war heiß in mehrerer Hinsicht. Leider ist aber auch im Gedränge eines
kleines Marktes mein Teleobjektiv abhanden gekommen. Selber Schuld, kann man da nur sagen.
Ich hatte diversen Blickkontakt mit jungen, hübschen, dunkelhäutigen Frauen. Doch
zu mehr kam es (leider) nicht. Und wer weiß, wie ich dann abgezockt geworden wäre.
Momentan steht fest: das war nicht der letzte Besuch in dieser Stadt. Aber das habe ich
bereits von vielen Städten gedacht. Und werde dabei älter und älter. Bald
werde ich vielleicht nicht mehr angelächelt.
Um drei war ich wieder im Hotel. Der Versuch zu baden und am Strand zu liegen scheiterte,
weil es mir zu windig war. Und ich hatte auch keine große Lust, mich bei den anderen
aufzuhalten. Morgen noch, dann ist es vorbei.
Nach ein bißchen Ruhe und Nachdenken, weiß ich mal wieder nicht genau, was ich
eigentlich will. Warum bloß drehen sich meine Gedanken ständig um Frauen? Will
ich wirklich eine feste Beziehung bis in alle Zukunft? Mit G. wollte ich es! Wann kommt
endlich Klarheit, Struktur und Ruhe in meine Gedanken? Denn das ist es, was ich brauche. Und
das hatte ich bei ihr.
30.04.05
Die letzte Nacht war sehr unruhig. Die Mücken nervten weniger als die brummende,
jaulende Klimaanlage. Aber ohne das Ding ging es gar nicht. Zudem ging mir immer wieder die
Aktion mit der Prostituierten durch den Kopf. Hätte ich die 20 Pesos zusammenkratzen
sollen? Ich hatte als Reserve noch die 25 Pesos für die Ausreisegebühr. Dann
hätte ich am Flughafen noch mal wechseln müssen. Oder aber das gegebenen Geld
zurückfordern, nach dem Motto "kein Geld ohne Gegenleistung"? Oder wenigstens
15 Miunten einfordern? Aber es ist müßig, darüber nachzudenken. Ich bereue
nichts. Basta! Das nächstemal würde ich anders handeln.
Den Vormittag verbrachte ich am Strand. Der Wind war nicht so stark und das Wasser
wesentlich ruhiger. So konnte ich etwas rausschwimmen. Im Schatten liegend ließ ich mich
trocknen, las im Buch und schaute mich um. Der Strand füllte sich recht schnell mit
Touristen, einheimischen Familien und Jugendlichen. Meine Gedanken führten ein Eigenleben.
Und ich dachte an Frau N., die mir per SMS mitteilte, dass sie mich am Bahnhof abholen will.
Da freute ich mich drüber.
Um 19:00 holte uns Adalberto ab. Wir saßen noch mit seiner Familie und Jesus am
Flughafen beisammen. Um 21:00 konnten wir einchecken und um 23:00 verließen wir Cuba.
01.05.05 Sonntag
In 11.000 m Höhe und bei einer Geschwindigkeit bis zu 1.066 km/h rasten wir mit Unterstützung des Jetstreams in acht Stunden nach Madrid. Nach zwei Stunden Aufenthalt ging es weiter nach Frankfurt. Und von dort mit der Bahn nach Hamburg. Um 0:40 kam ich an. Frau N. erwartete mich auf dem Bahnsteig. Große Freude sie wiederzusehen. Ihr ging es ähnlich.