02.05.2008, 'Freitag
Kommentar

Zwei politische Bücher liegen momentan auf meinem Lesetisch:

Anna Politkovskaja: „Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg.“

Bob Woodward: „Die Macht der Verdrängung. George W. Bush, das Weiße Haus und der Irak.“

Momentan lässt eindeutig das erste stärker meinen Zorn über einen Machthaber hochkochen. Was Putin dem Volk der Tschetschenen unter dem Deckmantel des „Anti-Terrorkampfes“ seit 1999 antut, ist wirklich grauenvoll. Und doch setzt er nur fort, was bereits Stalin 1944 begann, als er „das gesamte tschetschenische Volk, weil es ihm als politisch unzuverlässig galt, in die kasachische Steppe deportieren“ ließ. „Unzugängliche Bergdörfer deren Bewohner nur schwer abtransportiert werden konnten, wurden mit den Menschen und dem Vieh verbrannt.“
Anna Politikovskaja – mittlerweile ermordet – beschreibt Angriffe von russischen Militärhubschraubern auf Flüchtlingsströme:

„Über uns ist ein Bombenhagel hereingebrochen. Obwohl wir nichts schlimmes getan haben, nur in Richtung Inguschetien gelaufen sind auf der ehemaligen Trasse, die jetzt zerpflügt und ausgewalzt ist von Panzerfahrzeugen.“

Und so folgt ein Schreckenbericht dem nächsten, erzählt sie von ausgelöschten Dörfern & hilflosen, verhungernden Flüchtlingen.

Was erfährt man heute noch davon? Meist das gleiche Lied der russischen Führung, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Kaukasus fortgeführt wird. Mit dem „Terrorismus“ bzw. der Kombination „Kampf gegen den Terrorismus“ lässt sich mittlerweile alles legitimieren & schützt vor jeglichen kritischen Nachfrage. Das hat selbst unser durchgeknallter Innenminister Schäuble zu nutzen versucht.