03.02.2008, Dienstag
Kommentar
Fast in einem Zug habe ich ein wunderbares, schmales Buch gelesen: „Brief an D.“ von Andre Gorz. Darin trifft er so schön den Punkt, das „wir“ immer mehr dazu neigen, unser Leben auf später zu verschieben. Ich schließe mich da überhaupt nicht aus. Ständig kommt der Gedanken „Ach, das mache ich dann oder dann“. Manchmal schiebe ich sogar gewisse Dinge auf die Zeit, wenn ich denn erstmal Rentner bin. Aber das ist in frühestens 23 Jahren!
Und er formuliert eine Technikkritik mit den Zeilen:
„Die Expansion der Industrien verwandelt die Gesellschaft in eine gigantische Maschine, die, statt die Menschen zu befreien, ihren Autonomieraum einengt und bestimmt, welche Ziele sie verfolgen sollen und auf welche Weise. Wir werden die Diener dieser Megamaschine. Die Produktion steht nicht mehr in unserem Dienst, sondern wir stehen im Dienst der Produktion. Und aufgrund der gleichzeitigen Professionalisierung aller möglichen Dienstleistungen werden wir unfähig, für selbst zu sorgen, unsere Bedürfnisse selber zu bestimmen und sie selbst zu befriedigen. Wir werden von Experten bevormundet und entmündigt.“
Er bezieht sich dabei auf Ivan Illich der ein Pionier der kritischen Betrachtung der Technikentwicklung war, besonders im Gesundheitssektor.
Das Buch von Gorz ist eigentlich ein Liebesbrief an seine Frau, mit der sich gemeinsam am 22.09.2007 das Leben nahm, nachdem sie 25 Jahre zuvor schwer erkrankte. Aber er macht dabei „Ausflüge“ in sein Fachgebiet der „politischen Ökologie“. Das macht schon wieder Lust auf mehr ... Später? Vielleicht. Jetzt? Geht nicht. Leider! Warum? Kann ich noch nicht mal sagen ...