15.01.2008, Dienstag
Kommentar

Das war heute keine Pressekonferenz der Bundeskanzlerin, das war eine Wahlkampfveranstaltung der Unionsvorsitzenden. Und somit ein Ärgernis erster Güte, denn dadurch fand ein Machtmissbrauch statt.
Sie stellte sich demonstrativ hinter den außer Rand und Band geratenen, geistigen Brandstifter Roland Koch & kritisierte vollkommen einseitig die SPD-Politik, so z.B. das im hessischen Wahlkampf wichtige Thema „Mindestlohn“, eine weitere Steilvorlage für Koch. Mir ist dabei unbegreiflich, wie der Koalitionspartner dies kommentarlos hinnehmen kann. Ich hoffe wirklich, dass diese Frau spätestens im Herbst 2009 von der politischen Bühne wieder verschwindet.

Themenwechsel: es ist Winter, auch wenn man das hier im Norden kaum bemerkt. Vorhin auf dem Heimweg zeigte das Außenthermometer meines Autos stattliche 9,5° C. Da ist der Gedanke an Schnee fern, obgleich das heutige Gedicht im Deutschlandfunk-Kalender lautet:

Winter
Es schneit, es schneit, bedeckt die Erde
mit weißer Beschwerde, so weit, so weit.

Es taumelt so weh hinunter vom Himmel
das Flockengewimmel, der Schnee, der Schnee.

Das gibt dir, ach, eine Ruh', eine Weite,
die weißverschneite Welt macht mich schwach.

So daß erst klein, dann groß mein Sehnen
sich drängt zu Tränen in mich hinein.

Gedichtet im Jahre 1900 von Robert Walser, der – Ironie des Lebens? - 56 Jahre später im Schnee erfriert.

Besonders schön finde ich die Reimform in der Mitte des Satzes:

a b
b a

Und wundervoll auch die Formulierung: „Es taumelt so weh ...“, als würde dem Schnee der Abschied von den Wolken schwerfallen.