11.01.2008, Freitag
Kommentar

Fehlender Respekt, ich glaube das ist eines der Grundübel in unserer Gesellschaft. Und so mangelt es u.a. auch Jugendlichen daran, sich respektvoll gegen bestehende Regeln und andere Mitmenschen zu verhalten. Wäre es vielleicht gar nicht zu diesem schrecklichen Überfall in München gekommen, wenn die zwei jungen Männer das Rauchverbot in der U-Bahn beachtet hätten? Wobei ich es beachtlich finde, dass der Rentner die Chuzpe hatte, sie darauf anzusprechen. Was bekanntlich sein Unglück war. Ich hätte wahrscheinlich die Klappe gehalten, auch aus Sorge vor körperlicher Konfrontation.

Aber ebenso respektlos sind die populistischen Äußerungen des hessischen Ministerpräsidenten Koch, denn er pauschalisiert & stellt eine ganze Bevölkerungsgruppe (jugendliche Ausländer) unter Generalverdacht. Hinzu kommt noch, dass diesem Roland Koch selbst Respekt vor geltendem Recht fehlte, als er ein maßgeblicher Akteur bei dem CDU-Spendenskandal 1998 war & bewiesenermaßen gelogen hat. Ein Politiker als Vorbild? Sicherlich nicht.

Es könnten hier noch viele Beispiele von Respektlosigkeit quer durch alle Schichten gegeben werden, vom Firmenchef der seine Angestellten nicht respektiert, bis hin zum „Otto Normalverbraucher“, dem es am Respekt gegenüber dem Lebenspartner oder den Kindern fehlt. Demnach müsste jeder in einer „Erziehungscamp“. Aber es wird uns halt nicht mehr vorgelebt. Respekt zu haben wird immer mehr mit dem Synonym schwach zu sein belegt. Ebenso wie sich an Werten zu orientieren. Nein, ich habe keine Lösung, außer eventuell dem Ansatz, das wir alle mal wieder versuchen sollten, respektvoller mit den anderen umzugehen. Denn das ist es doch, was wir alle wollen und auch erwarten dürfen: respektvoll behandelt zu werden!

Dies sollte auch mal mein Lieblings-Unsympath Innenminister Schäuble bedenken, der bei den Tarifverhandlungen mit Ver.di fordert, diese sollten erstmal ihre Forderung von 8% senken, bevor er ein Angebot vorlegt. Fakt ist, dass der öffentliche Dienst ähnlich wie die Bundestagsabgeordneten in den letzten Jahren auf Gehaltssteigerungen fast gänzlich verzichtet haben, letztere sich jedoch kurz zuvor mehr als 9% genehmigt haben – wogegen von meiner Seite kein Einspruch erhoben wurde. Aber so darf Schäuble nicht den 8% jegliche Verhandlungsgrundlage absprechen. Niemand geht davon aus, dass es dabei bleibt, aber 4% bei Anhebung auf 40 Stunden sollte doch möglich sein.